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Glossar für Klinische Psychologie und Psychotherapie

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Ätiologie

Medizinische Lehre von den Krankheits- bzw. Störungsursachen.

Abhängigkeitssyndrom
Charakteristisches Muster körperlicher, kognitiver, verhaltensbezogener, sozialer und emotionaler Symptome, das durch den kontinuierlichen Konsum von psychotropen Substanzen entsteht.
Ablehnungstraining

Technik zur Rückfallprävention, speziell bei Abhängigkeitserkrankungen. Der Patient soll im Rollenspiel geeignete soziale Fertigkeiten entwickeln, um in sozialen Verführungssituationen die Aufforderung durch andere (z.B. zum Alkoholkonsum) selbstsicher verneinen zu können.

Abulie
Willenlosigkeit, unangemessene Schwäche bzw. Unvermögen, Entscheidungen zu treffen, Entschlüsse zu fassen und durchzuführen. Tritt u. a. auf bei einigen Formen depressiver Störungen sowie verschiedenen organischen Hirnschädigungen.
Abwehrmechanismus
Ein Konstrukt, das in der psychoanalytischen Theorie einen automatisierten psychischen Prozess beschreibt, der das Individuum vor Angst und vor der Wahrnehmung innerer und äußerer Belastungen und Gefahren schützt.
Adoptionsstudien

Forschungsansatz der Verhaltensgenetik zur Abklärung der relativen Bedeutsamkeit von genetischen und Umweltfaktoren. Durch den Vergleich zwischen den Adoptierten und ihren biologischen bzw. Adoptiveltern kann der Einfluss der Umwelt bzw. der genetischen Ausstattung abgeschätzt werden.

Adrenalin
Hormon aus dem Nebennierenmark, das dem Einfluss des autonomen Nervensystems unterliegt. Unterstützt die Aktivität des sympathischen Nervensystems.
Affekt

Psychopathologischer Begriff; ein beobachtbares Verhaltensmuster als Ausdruck eines subjektiv empfundenen Gefühlszustandes. Beispiele sind Traurigkeit, Freude und Wut. Affekte sind eher flukturierende (statt überdauernde) Änderungen des emotionalen Zustandes.

Affektive Störung

Darunter versteht man psychische Störungen, die sich besonders durch klinisch bedeutsame Veränderungen der Stimmungslage auszeichnen.

Affektverflachung
Mangel an affektiver Auslenkbarkeit, Affektstarrheit (Abgestumpfte zeigen weniger Wut, Trauer, Freude etc.), verflachter Affekt (zeigen keine Emotionen, unbewegtes Gesicht).
Agitiertheit
Übermäßige motorische Aktivität, die mit einem Gefühl innerer Anspannung einhergeht. Die Aktivität ist gewöhnlich unproduktiv und wiederholt sich ständig, z.B. Hin- und Herlaufen, Zappeln, Händeringen, Zerren an den Kleidern und Nicht-stillsitzen-Können.
Agonismus/Antagonismus

erregender bzw. hemmender Mechanismus. - Zwei Einheiten eines dualen funktionellen Systems, die entgegengesetzte Wirkungen entfalten.

Agoraphobie
Angst, sich an Orten oder in Situationen zu befinden, in denen im Falle einer Panikattacke eine Flucht schwierig (oder peinlich) oder keine Hilfe verfügbar wäre; üblicherweise anhaltende Vermeidung vieler Situationen, z.B. außerhalb des Hauses oder in einer Menschenmenge sein, Reisen im Auto oder Flugzeug, sich auf einer Brücke oder im Aufzug befinden.
Akathisie
Subjektive Klagen über Ruhelosigkeit, die von beobachtbaren Bewegungen (z. B. unruhige Bewegungen der Beine, Trippeln von einem Fuß auf den anderen, ständiges Umhergehen, Unfähigkeit, zu sitzen oder still zu stehen) begleitet sind.
Akkulturation
Das Hineinwachsen einer Person in ihre kulturelle Umwelt. Dies bezieht sich sowohl auf Kinder und Jugendliche als auch auf Migranten.
Aktivitätsaufbau
Operantes Verfahren der Verhaltenstherapie, das hauptsächlich bei depressiven Störungen eingesetzt wird. Durch den Aufbau angenehmer Aktivitäten erfährt der Patient positive Verstärkung. Der Teufelskreis von Antriebslosigkeit und Verstärkermangel soll damit unterbrochen werden.
Akustische Halluzinationen
Halluzination, die die Wahrnehmung von Geräuschen, meist Stimmen, betrifft. Wird manchmal auf die "echte" akustische Halluzination begrenzt, deren Quelle als external (nicht aus dem Kopf kommend) erlebt wird.
Alexie
Unfähigkeit zu lesen. Verlust der Lesefähigkeit durch kortikale Hirnverletzungen oder -erkrankungen.
Alexithymie
Ein Begriff der psychosomatischen Störungslehre, der Gefühlsarmut oder Gefühlsblindheit bedeutet. Die Betroffenen sind nicht oder kaum in der Lage, Gefühle bei sich oder anderen wahrzunehmen.
Alogie
Eine Denkverarmung, auf die aus der Beobachtung von Rede- und Sprachverhalten (z.B. Sprech- oder Inhaltsarmut) geschlossen wird.
Amenorrhoe
Ausbleiben der monatlichen Regelblutung, z. B. aufgrund exzessiver Nahrungsverweigerung.
Amnesie
Erinnerungsverlust. Amnesien sind anterograd, wenn der Erinnerungsverlust Ereignisse nach Beginn der ursächlichen Erkrankung betrifft oder retrograd, wenn er Ereignisse vor der Erkrankung betrifft.
Amphetamine
Substanzen, die die neuronale Aktivität stimulieren und zu einer Beschleunigung der Körperfunktionen führen. Der Energiepegel steigt an, und die Stimmung verbessert sich.
Amygdala
Mandelkern, zum limbischen System gehörende Struktur des Temporallappens.
Anamnese
Feststellung der Vorgeschichte einer Störung.
Angewandte Anspannung (Applied Tension)
Methode von Öst, um Blut-Spritzen-Verletzungsphobien zu behandeln. Zunächst wird erlernt, durch Muskelanspannung den Blutdruck stabil zu halten und damit eine Ohnmacht zu vermeiden. Dann wird die In-vivo-Konfrontation durchgeführt.
Angewandte Entspannung
Ein komplexes kognitiv-behaviorales Entspannungsverfahren nach Öst, das sich u.a. der progressiven Muskelrelaxation bedient.
Angsthierarchie
Anordnung bzw. Zusammenstellung von Angstreizen im Hinblick auf das Ausmaß ihrer angstauslösenden Qualität, häufige Verwendung im Rahmen der systematischen Desensibilisierung.
Angststörungen
Psychische Störungen, die gekennzeichnet sind durch eine quälende, überdauernde Angst oder unangemessene Verhaltensweisen, um die Angst zu reduzieren.
Anhedonie

Unfähigkeit, Freude zu empfinden und Vergnügen zu genießen.

Anosognosie
Unfähigkeit, eine eigene Krankheit oder Behinderung wahrnehmen zu können.
Anticholinergika
Medikamente, welche die Wirkung des Neurotransmitters Azetylcholin unterdrücken.
Antidepressiva
Pharmakologisch unterschiedliche Gruppen zur Behandlung von Depression und Angststörungen, z. B. trizyklische Antidepressiva, Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI).
Anxiolytika
Medikament gegen Angststörungen, gleichbedeutend mit Beruhigungsmitteln (Tranquilizer), heute meist vom Typ der Benzodiazepine.
Über-Ich

Teil der Persönlichkeit, der laut Freud die internalisierten Ideale und Normen repräsentiert, die Richtschnur für die Urteilsfähigkeit (Gewissen) liefert und Ziele für die Zukunft setzt.

Übertragung

Bedeutet in der Psychoanalyse, dass der Patient Emotionen aus anderen Beziehungen (wie etwa Liebe oder Hass für einen Elternteil) auf den Analytiker überträgt.

Übung

Bewusste Wiederholung von Informationen, um sie im Bewusstsein zu behalten oder für die Speicherung zu enkodieren.

Apathie
Gefühllosigkeit, Teilnahmslosigkeit.
Aphasie
Psychopathologischer Begriff: Eine Beeinträchtigung im Verstehen oder Übermitteln von Gedanken durch Sprache in gelesener, geschriebener oder gesprochener Form, verursacht durch eine Verletzung oder Erkrankung der Hirnareale, die für Sprache zuständig sind.
Apraxie
Störung der willkürlichen zielgerichteten Bewegung bei intakter Motorik.
Assertives Training
Selbstsicherheitstraining, bei dem die Durchsetzung eigener Interessen im Vordergrund steht.
Assoziationsstörung
Nach Bleuler ein Hauptsymptom der Schizophrenie, welches sich vorwiegend in einer Verarmung der verbalen Artikulation äußert; sowohl soziale als auch individuelle Krise (Gedankenverbindungen und Verbindungen mit Menschen seien gestört).
Assoziationsstudie
Forschungsansatz der Verhaltensgenetik bei dem untersucht wird, ob Varianten eines Gens bei Trägern eines interessierenden Merkmals häufiger oder seltener vorkommen als bei Kontrollpersonen, die das Merkmal nicht aufweisen.
Ataxie
Partieller oder vollständiger Verlust der Koordination willentlicher Muskelbewegungen.
Attributionstheorie
Nimmt an, dass wir dazu neigen, Verhaltensweisen kausal zu erklären, und zwar oft, indem wir diese entweder der jeweiligen Situation (externe Attribution) oder der Veranlagung des betreffenden Menschen (interne Attribution) zuschreiben.
Autistische Störung
Hauptmerkmale sind eine deutlich abnorme und beeinträchtigte Entwicklung im Bereich der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie ein deutlich eingeschränktes Repertoire an Aktivitäten und Interessen. Die Störung weist eine große Variationsbreite auf.
Autogenes Training
Methode der Selbstentspannung bzw. Selbstbeeinflussung durch autosuggestive Übungen.
Aversionstherapie
Therapeutisches Verfahren, bei dem eine aversiver Reiz (z. B. Elektroschock) mit Situationen gekoppelt wird, die in sozial unerwünschter Weise attraktiv sind.
Azetylcholin (ACh)
Neurotransmitter, der u. a. für die Muskelkontraktion verantwortlich ist.

Das Buch

Wittchen/Hoyer:
Klinische Psychologie & Psychotherapie

Unser Lehrbuch bietet den idealen Einstieg in das beliebteste und wichtigste Fachgebiet der Psychologie! Verständlich und anschaulich werden zunächst in Teil A die Grundlagen - von Allgemeiner Psychologie bis Verhaltensmedizin - dargestellt. Im Teil B finden Sie dann ganz praxisnah die einzelnen Verfahren- von E wie Entspannungsverfahren bis V wie Verhaltensvertrag. Und Teil C geht schließlich auf die wichtigsten psychischen Störungen ein, von affektiven Störungen bis Zwangsstörungen. Im Vordergrund steht immer die Anschaulichkeit, Verständlichkeit und Prüfungsrelevanz der Buchinhalte - und die Didaktik hilft beim Pauken: Gut zu wissen und Merksätze kennzeichnen die wichtigsten Inhalte, Beispiele aus der klinischen Praxis und aus der Forschung machen das Wissen anschaulich - und für die, die nicht genug kriegen können: Exkurse und kommentierte Literaturtipps zur weiteren Vertiefung!